AlltagsKarussell

Erster Urlaub mit Kind

Zugegeben, es klingt toll. Urlaub mit Kind, endlich dem Alltag entfliehen, ein Tapetenwechsel, das Schlafverhalten wird (noch) besser und Mama und Papa können sich auch endlich wiedermal erholen und etwas Zweisamkeit geniessen, bei einem Glas Wein auf dem Balkon bei Sonnenuntergang, wenn das Kind im Zimmer seelig schläft.

Die Realität sieht leider anders aus. Zumindest bei uns. Wir haben voller Euphorie 3 Wochen Urlaub, in einer Villa mit viel Umschwung fürs Kind, in der Toskana gebucht. Voller Zuversicht, in den Genuss des tollen Klimas und der Köstlichkeiten Italiens zu kommen. Bereits bei der Ankunft war das Wetter mässig schön. Doch am Ankunftstag konnte uns das Wetter wenig anhaben, da wir mit Einrichten, Einkaufen und Eingewöhnen beschäftigt genug waren. Bereits am Folgetag dann der Anruf bei unseren Eltern: „Bitte schickt uns Motivation und Kraft diesen Urlaub zu überstehen.“ Das Wetter war eisig kalt, im Innenraum der Villa noch kälter als draussen, da dieses für auf wärmere Temperaturen ausgelegt ist. Im Schlafzimmer herrschten beim Zubettgehen zwischen 12 und 14°C – zu kalt für unsere verwöhnten Körper.

Und was soll ich sagen – so gings eine Woche weiter. Die Aussichten waren noch schlechter, das Wetter sollte sich in den ganzen drei Wochen nicht bessern. Der Gasherd, der in den toskanischen Häusern Standard ist, war fast den ganzen Tag in Betrieb, da wir uns mit Tee über Wasser hielten und ich fürs Kind Wasser abkochen musste, tagsüber für die Wasserflasche, nachts für die Thermoskanne. Dazu kam noch das Breikochen, da ich diesen mit den leckeren, frischen Früchten und dem Gemüse aus Italien selber zubereiten wollte.

Die Stimmung war geknickt. Wir hatten uns so sehr auf diesen Urlaub gefreut und ihn uns im vergangenen ersten Lebensjahr unseres Sprosses auch mehr als verdient. So trafen wir nach einer Woche die Entscheidung, nach Hause zu fahren. Die acht Stunden Rückfahrt nach 8 statt geplanten 22 Tagen wieder auf uns zu nehmen, um Zuhause den gewohnten und (in diesem Moment sehr) geliebten Alltag wieder zu kriegen.

Doch Zuhause stellten wir uns bald die Frage: „Solls das gewesen sein? Sollen wir jetzt einfach noch zwei Wochen hier sitzen und uns fragen, wie es wohl gewesen wäre?“. Schliesslich haben wir trotzdem noch andauernd auf die toskanische Wetterapp gestarrt. Und dann haben wir kurzerhand beschlossen, Last Minute nach Mallorca zu fliegen. In ein all inclusive Hotel. Ganz anders als ursprünglich geplant, doch es hörte sich so viel mehr nach Erholung an, als diese Enttäuschung, die wir gerade erlebt haben.

Am Freitag gebucht, am Sonntag bereits auf Mallorca im Familienhotel. Am Strand liegen? Fehlanzeige. Doch das Wetter war angenehm warm, nicht zu heiss und der kleine Mann fand alles super spannend und aufregend. Brei kochen? Nein! Entweder hat er bei uns mitgegessen oder einen der mitgebrachten Breigläser verdrückt. Ich wollte keinen Finger mehr rühren. Haha! Denn im Urlaub mit Kindern ist jeder Handgriff einfach etwas anstrengender als Zuhause. Fläschchen auskochen ist nicht so einfach gemacht. Wasser kochen für das Kind ebenfalls nicht. Es bedarf viel Improvisation mit Kind(ern) zu reisen.

Nach 5 Tagen wundervolles, erholsames (das wars wirklich, nach der Flaute in der Toskana) Mallorca dann die Krönung unseres Urlaubspechs – das Kind wurde schrecklich krank. Plötzlich 40°C Fieber, völlig apathisch. Am nächsten Tag schrecklichen Ausschlag, eine schlaflose Nacht, ich wurde am Abreisetag ebenfalls krank, ohne Schlaf…

Was soll ich sagen: Ich liebe unser Zuhause mehr denn je. Vielleicht fährt man als Eltern deshalb in die Ferien. Um zu wissen, wie toll es doch in den eigenen vier Wänden eigentlich ist und was für ein Glück wir haben, gesund zu sein!

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