AlltagsKarussell,  Tipps

Kinderschlaf – Ein (Alb)Traum?

Kein Thema wird in der Mamawelt wohl so heiss diskutiert wie der Baby- und Kinderschlaf. „Schläft es denn schon durch?“ hiess es eine Woche nach der Geburt unseres Sohnes. „Klar, und sein vollständig vorhandenes Gebiss putzt er auch schon selbständig“ habe ich da mal zur Antwort gegeben. Aber mal ganz ehrlich? Nur selten wird die Frage nach dem Durchschlafen böse gemeint. Häufig wird den frischgebackenen Eltern einfach gewünscht, dass sie zu ihrer so dringend benötigten Erholung kommen. Doch wird einem damit der Druck genommen? Nein, es wird noch schlimmer. Stattdessen frage ich bei befreundeten Mamas lieber „Wie schläft denn euer Kind so?“. Somit wird es keine Suggestivfrage und ich lasse den Gesprächspartner nicht wissen, welche Information ich gerne aus meiner Frage hätte.

Hier in der Schweiz gibt es wöchentlich die Mütter- und Väterberatung. Ein super Ort, um Fragen rund ums Kind klären zu können und es grob gesundheitlich abklären zu lassen. So wird da auch Gewicht und Grösse gemessen und man kann sich zur Sprechstunde anmelden. Leicht schockiert war ich jedoch hier im Dorf, als ich mich mit einer anderen Mama unterhielt, die ein Kind im Alter meines Sohnes hat. „Ich lasse mein Kind ab sofort schreien, so kann es nicht weiter gehen. Dies wurde mir nun auch in der Sprechstunde geraten.“ – Schock! Schreien lassen? Werden solche Ansätze heute noch von professionell ausgebildeten Fachpersonen vertreten?

Höchst umstrittene Bücher, wie das bekannte Schlaftrainingsbuch für Babies „Jedes Kind kann schlafen lernen“ verkaufen sich immernoch gut. Doch wenden Eltern in Notsituationen dieses ohne zu hinterfragen an? Ich will dieses Buch nicht schlecht reden, bestimmt beinhaltet es auch viele Tipps, die sich tatsächlich gut und schmerzlos umsetzen lassen. Wie zum Beispiel eine ruhigere Schlafatmosphäre geschaffen werden kann, wie tägliche Zubettgeh-Routinen helfen können, usw., sind ebenso ein Teil des Buches wie der Teil des Schreienlassens.

Für uns stand immer ausser Frage, unser Kind jemals schreien zu lassen, in egal welcher Situation, geschweige denn, alleine in seinem Bett zurückzulassen. Heute weiss man um die (Langzeit)Folgen eines solchen Handelns. Jedoch war unsere Schlafsituation bereits mit dem kleinen Wurm, den wir damals mit nach Hause genommen haben, relativ entspannt. Was meiner Meinung nach enorm hilft, ist, sich die Bedürnisse eines Babys vor Augen zu führen. So kennt ein Neugeborenes weder ein Bett, noch die Nacht. Führt man sich vor Augen, dass die ersten Nächte für ein Kind ganz unbedeutend sind, da der einzige Unterschied zum Tag in der Helligkeit der Umwelt und der Müdigkeit der Eltern besteht, so lässt es sich eher verkraften, auch nachts aufzustehen und sich mit dem Baby zu unterhalten, im Wissen, dass es bald lernen wird, dass wir Menschen uns die Nacht zum Schlafen ausgesucht haben.

Lernt man zu verstehen, dass ein Neugeborenes gerade mal 10-20ml Milch pro Mahlzeit aufnehmen kann, so wird man eher Verständnis dafür aufbringen können, dass es alle 2 Stunden zur Milchquelle will. Versucht man nachzuvollziehen, wie es sein muss, auf einen bis anhin fremden Planeten zu kommen und nur eine handvoll Menschen bereits vor der Ankunft gekannt zu haben, so wird man es vielleicht sogar nachts um 3 als Privileg erachten können, zu ebendiesen zu gehören, welche jetzt in Not gerufen werden.

Unser Kind schläft durch – manchmal. Doch dann sind da noch Zähne, böse Träume, Erkältungen, Schmerzen, Sehnsucht, usw. Da minimiert sich die Anzahl durchgeschlafener Nächte wieder stark. Und es ist ok. Er wird immer selbständiger werden. Er weiss, dass wir sofort kommen, wenn er ruft, nutzt es aber nicht aus – denn das KANN er nicht. Dazu ist sein Gehirn nicht fähig. Sein Hirn sagt ihm „Du bist in Not. Du brauchst Mama/Papa. Ruf!“. Und wenn dieser Ruf nicht erwidert wird, so versetzt dies das Kind in einen Zustand der Not. „Sie kommen nicht. Ich bin alleine hier. Komme nicht weg. Weiss nicht wohin. Wo sind sie?!“. Und irgendwann wird es nicht mehr rufen. Weil es weiss, Hilfe kommt nicht. Dieses Gefühl möchte ich meinem Kind nicht antun. Auch nicht mal für 5 Minuten. Und dennoch schläft er teilweise durch.

Kinder brauchen nicht zu schlafen lernen – sie konnten es bereits im Mutterleib. Es sind wir, die lernen müssen, eine Umgebung zu schaffen, in der man durchschlafen könnte. Dann wird der Schlaf irgendwann für alle Familienmitglieder wieder erholsam.

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