Mama

Schwangerschaft verkörpert – Wie es wirklich ist, während und nach der Schwangerschaft

Erstmal willst du schwanger werden – für einige super easy, für andere eine richtige Aufgabe, die sehr kräftezehrend sein kann. Kaum hält man den positiven Schwangerschaftstest in der Hand, die grosse Freude, aber auch die grosse Angst. Kann ich das Baby halten? Was, wenn etwas nicht stimmt? Die erste Kontrolluntersuchung findet erst einige Wochen danach statt, viele Tage der Ungewissheit über den Gesundheitszustand und die Existenz eines kleinen Wunders folgen also. Und dann sitzt man auf dem Stuhl des Frauenarztes und blickt voller Hoffnung auf den Monitor – da schlägt ein kleines Herz und ein Wesen in der Form eines Gummibärchens schwimmt in einer kleinen Blase umher. Diese Glücksgefühle brauche ich wohl keiner Mama zu beschreiben. Unendliche Freude und die Angst wurde für’s Erste genommen.

Viele Schwangere leiden bereits vor der ersten Kontrolluntersuchung unter Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Unterbauchschmerzen und Müdigkeit. Doch besteht die Hoffnung, dass diese Symptome mit fortschreitender Schwangerschaft verschwinden werden.

Spätestens mit Anbruch des zweiten Schwangerschaftstrimesters verschwinden die grössten Ängste – die Wahrscheinlichkeit, dieses Kind zu verlieren, sinkt stark. Man fühlt sich wunderschön, erkennt und bewundert täglich den langsam wachsenden Bauch und kann sich die erste Umstandsmode kaufen. Man verkündet die frohe Botschaft und geniesst viele liebevolle Kommentare zum wunderschönen Bauch und Schwangerschaftsglow. Das Haar wird voller, die Haut strahlender und der Glanz in den Augen einer werdenden Mutter – sie kann es nicht leugnen, sie ist wunderschön.

3 Monate später, die einem vorkommen wie ein Wimpernschlag, BÄM – drittes und letztes Trimester. Auch wenn man von aussen noch immer oft zu hören bekommt, was für ein Wunder es doch ist, Mama zu werden und wie wunderschön man aussieht, häufen sich auch die Kommentare in der Art von „Was? Es soll noch 3 Monate gehen? Du siehst aus als würdest du morgen entbinden?“ Oder „Bist du sicher, dass es keine Zwillinge sind?!“. Na besten Dank auch. Und gegen Ende der Schwangerschaft und mit dem Näherrücken des Entbindungstermins, der einen ohnehin schon mit grossem Respekt erfüllt, schwindet langsam dieses wundervolle Gefühl und die Vorfreude aufs Kind und den alleinigen Anspruch auf seinen Körper (Haha!) wird immer grösser. Wo man sich anfangs noch wie eine wunderschöne Meerjungfrau gefühlt hat, fühlt man sich zwar immernoch wie ein schwimmendes Wesen, allerdings weit weniger grazil und mehr von der Gattung Wal. „Nicht mehr lange“ heisst es von allen Seiten, doch mal ehrlich: Wie lange können eigentlich 2 Wochen sein?! Und wer garantiert mir, dass dieses wundervolle kleine Wesen genau zum errechneten Termin kommen will? Denn eigentlich können aus diesen „noch 2 Wochen“ genauso gut „noch 4 Wochen“ werden.

Alles drückt immer weiter Richtung Süden und dieses kleine, zerbrechliche Babyköpfchen fühlt sich in unserem Becken an, wie ein gewaltiger Felsbrocken, der ins Tal stürzt. Nur so, und nicht anders, lässt sich dieses Gefühl beschreiben. Wunderschön, wirklich. „Es ist ein Wunder.“

Und wo wir im ersten und zweiten Trimester unseren wunderschönen Babybauch noch liebevoll gestreichelt, eingeölt und massiert haben, zieren uns immer mehr dunkelrote Streifen. „Nicht so schlimm“ reden wir uns ein, doch eigentlich stören sie uns gewaltig und die Angst, nach der Schwangerschaft auszusehen wie ein Wal im Zebrakostüm, ist allgegenwärtig. Der Entbindungstermin rückt also näher und der Felsbrocken hinterlässt seine Spuren. Es lässt sich kaum noch sitzen, der Hintern tut nun ebenfalls weh und wir rennen täglich in die Apotheke für irgendeine Creme gegen die Schmerzen und einen Tee, der uns bitte vor dem Schlimmsten bewahren soll.

Und dann kommt Tag X. Das Kind wird geboren und wir werden mit diesem Tag zur Mama. Und unser Körper? Er hat sich verändert. Doch er tut es weiter. Schon wenige Stunden nach der Geburt, sehen wir, wie er beginnt, sich zusammenzuziehen. Erst hängt der Bauch runter. Kein Wunder, all diese Haut muss ja auch erstmal wo hin. Eine Woche nach der Entbindung könnte mehr Stolz auf unseren Körper nicht sein. Er arbeitet hart, um uns wieder unschwanger erscheinen zu lassen. Der Milcheinschuss hat vor einigen Tagen stattgefunden und die BHs werden einfach mal um 1 bis 2 Nummern grösser gekauft als noch vor der Schwangerschaft. Wir stillen unser Kind, oder auch nicht, und fühlen dabei tiefste Geborgenheit, sehen unseren Körper mit völlig anderen Augen als vor der Geburt und freuen uns dennoch still und heimlich darüber, dass die Schwangerschaftsstreifen langsam verblassen und gar unsichtbar werden, wir uns wieder normal hinsetzen können und der Bauch mehr und mehr in der Hose verschwindet, bis sich irgendwann nur noch erahnen lässt, dass in ihm einst ein Kind sein Zuhause gefunden hatte.

Die Stillzeit geht früher oder später vorüber, die Milch wird stetig weniger, die Haut an der Brust wird schlaffer und die Brüste meist auch kleiner als sie es vor der Empfängnis waren. Doch all das ist gut. Wir haben ein Zuhause gegeben, fast 10 Monate lang und sind noch immer ein Zuhause. Kurz nach der Geburt auf unserem kuschelig weichen, warmen Bauch und ein Leben lang in den Armen. Ganz egal, wie sich unser Körper durch das Mamasein verändert hat – er verdient unsere Dankbarkeit und Respekt. Wir sind ein Zuhause und er hat uns dahin gebracht.

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