Mama

Wieviel Abhängigkeit ist gesund?

Wir alle sind abhängig. Von einem Getränk, einer Speise, einem Gerät, einer Person, einem Ort, einem Transportmittel, usw… Wir alle sind abhängig.

Ich war noch ziemlich jung, als ich meinen Mann geheiratet habe. Jung, im Vergleich zu anderen heiratenden Frauen in unserer Gesellschaft, nicht jung fürs eigene Empfinden. Denn für mich war es der absolut, zu 100%, richtige Zeitpunkt. Ich war schwanger mit unserem ersten Kind und wohl wieder in vielen Augen ziemlich jung, um Mutter zu werden. Aber erst einmal schwanger und verheiratet konnte wohl keiner mehr etwas über das ideale Alter für die Familiengründung äussern – war ja alles schon unter Dach und Fach.

Dann aber der Schock: Ich kündige meine Arbeitsstelle und werde somit zur Full-Time Mutti und -Ehefrau. „Du kannst dich doch nicht von einem Mann abhängig machen!“ oder „In deinem Alter?! Du wirst kaum Wiedereinstiegschancen haben!“. Zugegeben, die Scheidungsrate in der Schweiz wirkt nicht sehr vielversprechend. Beinahe jede 2. Ehe wird früher oder später geschieden. Doch während die Pessimisten in ihren negativen, beängstigenden 50% leben, habe ich mich für die andere Seite entschieden. Die Seite, auf welcher mir eine wundervolle Kindheit meines Nachwuchses entgegenblickt und viele Momente, die mir nie wieder zurückgegeben werden können, sollte ich meine Entscheidung später einmal bereuen.

Ich war immer gerne berufstätig. Und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht auch heute noch ab und an über den Zeitpunkt des Wiedereinstiegs nachdenken würde. Das Wichtigste hierbei ist jedoch, dass wir, meine Familie und ich, bisher nichts an dieser Entscheidung bereut haben. Es könnte für uns derzeit einfach nicht besser sein.

Wie abhängig habe ich mich denn eigentlich von meinem Mann gemacht? Wir haben geheiratet und (bald) zwei gemeinsame Kinder. Geht noch mehr Abhängigkeit?! Wohl kaum. Jedoch, meines Erachtens, beidseitig.

Ziemlich früh stellt man doch im Leben (wohl so um die erste Trotzphase rum) fest, dass man immer etwas verpassen wird. Während man auf Mallorca am Strand liegt, kann man halt nun mal schlecht auch zeitgleich im Disneyland sein. Während ich erwerbstätig bin, kann ich nun mal nicht Full-Time Mommy sein. Und diesen Deal wollten wir beide in dieser Reihenfolge nicht eingehen. Wir werden im Leben an viele Entscheidungen herantreten: Heute Braten oder Huhn zum Abendessen? Morgen in den Zoo oder in die Berge gehen? Wir werden immer A oder B wählen müssen. Und wir haben uns für „A: Mama erlebt die Kindheit unseres Nachwuchses Zuhause“ entschieden. Das bedeutet jedoch, dass ich B aufgegeben habe. Und B bedeutet, nahtlos erwerbstätig zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.